Die Arbeit am Standort orientiert sich dabei an den konkreten Lebenssituationen und Unterstützungsbedarfen der Teilnehmenden. Sprachförderung, Beratung und Begleitung sowie Information- und Begegnungsveranstaltungen greifen ineinander und schaffen unterschiedliche Möglichkeiten, Deutsch zu lernen und anzuwenden, Kontakte zu knüpfen und sich im Alltag besser zurechtzufinden.
Begegnung und Sprache im Alltag erleben
Wie lebendig diese Verbindung sein kann, zeigte eine Begegnungsveranstaltung am 30. Juli 2026. Die Teilnehmenden besuchten gemeinsam das Weinhaus Polomski in Freyburg und verbrachten mit Sandra Polomski einen informativen und abwechslungsreichen Nachmittag rund um den Weinbau in der Region.
Bei einer Führung durch den Weinberg erhielten sie zunächst Einblicke in die Arbeit vor Ort. Gemeinsam wurden verschiedene Rebsorten betrachtet und viel Wissenswertes über den Weinberg, seine Geschichte und seine Bewirtschaftung vermittelt.
Dabei entwickelte sich schnell ein reger Austausch. Die Teilnehmenden stellten zahlreiche Fragen – beispielsweise zum Alter der Reben, zur Tiefe ihrer Wurzeln, zur historischen Mauerstruktur des Weinbergs und zum zeitlichen Aufwand für Pflege und Bewirtschaftung.
Anschließend ging es zurück ins Weinhaus. Dort wurden verschiedene Weinsorten und ihre jeweiligen Besonderheiten vorgestellt. Besonders interessant war der Austausch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ukrainischen, georgischen und deutschen Weinen.
So entstanden ganz selbstverständlich viele Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen und die deutsche Sprache direkt anzuwenden. Denn Sprache wird nicht nur im Unterricht gelernt. Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten schaffen Möglichkeiten, neue Wörter und Redewendungen auszuprobieren, Fragen zu stellen und mehr Sicherheit in der Kommunikation zu gewinnen.
Bedarfsgerechte Sprachförderung am Standort Naumburg
Neben solchen Begegnungsangeboten ist die Sprachförderung ein wichtiger Bestandteil der Projektarbeit in Naumburg.
Die Teilnehmenden bringen unterschiedliche sprachliche Voraussetzungen, Lernerfahrungen und Lerngeschwindigkeiten mit. Während einige bereits über grundlegende Deutschkenntnisse verfügen, benötigen andere zunächst eine stärkere Festigung der sprachlichen Grundlagen.
Deshalb ist es wichtig, die Menschen möglichst dort abzuholen, wo sie mit ihren Deutschkenntnissen stehen, und die Sprachförderung an ihren jeweiligen Lernständen auszurichten.
Gute Sprachkenntnisse erleichtern nicht nur die Verständigung. Sie stärken die Selbstständigkeit im Alltag und schaffen wichtige Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe, Qualifizierung und den Zugang zum Arbeitsmarkt.
Beratung und Begleitung bei konkreten Fragen des Alltags
Wie wichtig neben der Sprachförderung auch individuelle Beratung und Begleitung sind, wurde bei einem Vor-Ort-Besuch am 1. September 2026 deutlich. Vertreterinnen und Vertreter des DRK Landesverbandes Sachsen-Anhalt e.V. und des DRK Kreisverband Naumburg/Nebra e.V. tauschten sich gemeinsam über die bisherige Projektumsetzung, die Erfahrungen des Teams und die aktuellen Bedarfe der Teilnehmenden aus.
Dabei zeigte sich, dass ein erheblicher Teil der praktischen Projektarbeit aus Beratung und Begleitung besteht. Die Fragen der Teilnehmenden reichen von Behördenangelegenheiten über soziale und integrationsbezogene Themen bis hin zur Orientierung im deutschen Gesundheits- und Hilfesystem.
Auch bei der Kommunikation mit Kindertageseinrichtungen, Schulen und anderen Institutionen kann Unterstützung erforderlich sein. Ziel der Begleitung ist es dabei, Zugangsbarrieren abzubauen und die Teilnehmenden schrittweise darin zu stärken, ihre Anliegen zunehmend selbstständig zu bewältigen.
Am Standort Naumburg werden derzeit insbesondere geflüchtete Menschen aus der Ukraine erreicht, darunter alleinstehende Frauen, Frauen mit Kindern sowie ältere Menschen. Die ukrainischen Sprachkenntnisse der Projektmitarbeiterin sind dabei eine wichtige Ressource. Sie erleichtern den Zugang zu den Angeboten und können insbesondere dort unterstützen, wo eine Verständigung auf Deutsch noch nicht ausreichend möglich ist.
Unterstützung, die Perspektiven eröffnet
Im Projekt werden auch positive Entwicklungen sichtbar. Teilnehmende gewinnen zunehmend Sicherheit im Umgang mit der deutschen Sprache und bei der Orientierung im Alltag. Durch die Verbindung von Sprachförderung, Beratung und individueller Begleitung können weitere Schritte in Richtung Qualifizierung, Arbeitsmarkt und gesellschaftlicher Teilhabe unterstützt werden.
Gerade diese Erfahrungen zeigen, dass Integration ein Prozess ist, der Zeit braucht und unterschiedliche Zugänge erfordert. Ein Sprachkurs kann dabei ebenso wichtig sein wie ein Beratungsgespräch oder eine Begegnung, bei der Menschen miteinander ins Gespräch kommen und ihre Umgebung kennenlernen.
Gemeinsam die Projektarbeit weiterentwickeln
Der Vor-Ort-Besuch bot eine gute Gelegenheit, die Erfahrungen aus der bisherigen Projektarbeit miteinander zu teilen, die aktuellen Bedarfe am Standort in den Blick zu nehmen und gemeinsam auf die weitere Projektumsetzung zu schauen.
Dabei steht weiterhin im Mittelpunkt, die Angebote an den Bedarfen der förderfähigen Zielgruppe auszurichten und die Teilnehmenden auf ihrem Weg zu mehr Selbstständigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe zu unterstützen.
Das gemeinsame Ziel bleibt: Menschen dabei zu unterstützen, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln, Orientierung zu gewinnen, Zugangsbarrieren abzubauen und zunehmend selbstständig am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Sprachförderung, Beratung, Begleitung und Begegnung ergänzen sich so zu unterschiedlichen Bausteinen auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe.
Das AMIF-Projekt „Leben.Zukunft.Sachsen-Anhalt“ schafft dafür am Standort Naumburg Räume zum Lernen, zum Austausch und zur Begegnung – und unterstützt Menschen dabei, Schritt für Schritt neue Perspektiven in Sachsen-Anhalt zu entwickeln.
Das Projekt „Leben.Zukunft.Sachsen-Anhalt“ wird durch die Europäische Union im Rahmen des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) gefördert.
