Seit 2021 organisiert die Europäische Jugendbildungsstätte Magdeburg (EJBM) die Kinderstadt. Ottopia ist dabei weit mehr als ein Ferienangebot. Im Mittelpunkt steht ein pädagogisches Konzept, das Kindern möglichst viel Eigenständigkeit zutraut und demokratische Prozesse nicht nur erklärt, sondern unmittelbar erfahrbar macht. Denn in Ottopia haben Erwachsene nichts zu sagen. Die Kinder gestalten ihre Stadt selbst, übernehmen Aufgaben, arbeiten, diskutieren, entscheiden und handeln Regeln miteinander aus.
„Was Demokratie bedeutet, lernt man am besten durch eigene praktische Erfahrung. In Ottopia haben Kinder erlebt, dass ihre Stimme zählt, dass ihre Entscheidungen Folgen haben und dass gemeinsames Zusammenleben immer auch bedeutet, andere Perspektiven zu respektieren und Verantwortung zu übernehmen“, sagt Christian Scharf, Geschäftsführer der Europäischen Jugendbildungsstätte Magdeburg.
Gerade darin liegt der pädagogische Kern der Kinderstadt. Die Kinder sollen nicht lediglich Strukturen der Erwachsenenwelt nachspielen. Sie sollen erfahren, wie es sich anfühlt, selbst Verantwortung für ein Gemeinwesen zu übernehmen. Dabei gehören auch Umwege, Konflikte und schwierige Entscheidungen zum Lernprozess.
„Ottopia lebt davon, dass wir Kindern wirklich etwas zutrauen. Wir Erwachsenen schaffen einen sicheren Rahmen, aber wir nehmen ihnen die Entscheidungen nicht ab. So entstehen Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, Verantwortung und Teilhabe, die sich nicht durch Unterricht ersetzen lassen“, erklärt Dr. Christina Langhans, pädagogische Leitung der EJBM.
Zur Kinderstadt gehörten deshalb ganz unterschiedliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Neben Rathaus, Kinderakademie und verschiedenen Gewerken wie einer Holzwerkstatt oder einer Medienagentur durfte natürlich auch ein städtisches Kinderkrankenhaus nicht fehlen – es wurde vom DRK Regionalverband Magdeburg – Jerichower Land e. V. bereitgestellt und begleitet.
Gleichzeitig war Ottopia 2026 ein großes europäisches Begegnungsprojekt. Rund 100 freiwillige Betreuerinnen und Betreuer aus Deutschland und dem europäischen Ausland engagierten sich während der beiden Wochen in der Kinderstadt. Damit war Ottopia zugleich eine der größten internationalen Jugendbegegnungen Sachsen-Anhalts. Hinzu kamen Kindergruppen aus Polen und Frankreich, die sich am Stadtleben beteiligten. Europa wurde so ganz praktisch erfahrbar: beim gemeinsamen Spielen und Arbeiten, beim Aushandeln von Regeln und bei der Verständigung über sprachliche und kulturelle Unterschiede hinweg.
An der Organisation von Ottopia beteiligten sich neben der EJBM auch die Fach- und Beratungsstelle GOEUROPE! sowie EUROPE DIRECT Halle. Finanzielle Förderung kam unter anderem vom Land Sachsen-Anhalt, von der Landeshauptstadt Magdeburg und von Lotto-Toto Sachsen-Anhalt. Darüber hinaus beteiligten sich zahlreiche Unternehmen, Organisationen, Vereine und Privatpersonen mit Geld, Materialien, Beratung oder pädagogischer Unterstützung.
